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Libido steigern mit einer Pille? Aphrodisiaka unter der Lupe

Lustmittel Aphrodisiakum
Foto von Nataliya Vaitkevich von Pexels

Im Internet werden überall Mittel angepriesen, die das Verlangen nach Sex steigern sollen. Ob Lebensmittel, pflanzliche Mittel oder Präparate aus der Chemiebranche - alle preisen an, als Aphrodisiakum die Lust auf Sex steigern zu können. 

 

Doch was ist dahinter und wovon sprechen wir überhaupt, wenn es um die "Libido" geht?

 

In diesem Artikel beleuchten wir alle möglichen Potenzmittel und du erfährst, was du wirklich tun kannst, um deine Lust zu steigern.

 


Libido vs. Potenz

Um die Wirksamkeit von Aphrodisiaka einschätzen zu können, ist es sehr sinnvoll zu wissen, worauf sie wirken sollen. Dazu möchte ich auf einen wichtigen Unterschied aufmerksam machen, den die meisten sicherlich wissen, aber der in der Anwendung vielleicht zu wenig Rücksicht erfährt: der Unterschied zwischen Libido und Potenz.

 

Libido ist, vereinfacht gesagt, nur ein akademischeres Wort für sexuelle Lust. Das Wort bezieht sich mehr auf die mentale und emotionale Erregbarkeit.

 

Potenz ist, vereinfacht gesagt, die körperliche Erregungsfähigkeit. Sprich: Kann Mann eine Erektion haben und kann Frau feucht werden und genital erregt werden. 

 

Diese Unterscheidung ist wichtig, um die Lösung für ein vermindertes Lustempfinden zu finden. 

 

Gibt es Lebensmittel, die das Verlangen steigern?

Auch wenn man immer wieder liest, dass Schokolade, Erdbeeren, Spargel oder Austern (und evtl. vieles mehr), die Lust auf Sex steigern, kannst du getrost essen, was du magst. Denn kein Lebensmittel der Welt ist in der Lage, Potenz oder Libido zu steigern. Die Lebensmittel, die tatsächlich die Chance hätten, luststeigernd zu wirken, haben schlicht zu wenig Wirkstoffe, um in der üblichen Verzehrmenge einen Unterschied zu machen. 

 

Deshalb hier ganz klar: Nein, der Verzehr von gewissen Nahrungsmitteln kann die Lust nicht steigern.

 

Gibt es pflanzliche Lustbringer?

Hier wird es schon ein bisschen spannender. Denn in unterschiedlichen Studien wurden immer wieder Pflanzenextrakte identifiziert, die in gewissem Maße luststeigernd wirken können.

Jetzt kommt jedoch ein dickes ABER! (oder zwei oder drei). 

 

Denn hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Das machen wir genau jetzt. 

 

Die Wirkung pflanzlicher Aphrodisiaka bei Männern

Es gibt einige Studien, die auf den Einfluss unterschiedlicher Pflanzen auf die männliche Lust hindeuten. Die Ergebnisse sind jedoch keinesfalls erwiesen und die Einnahmeform und -menge auch nicht erprobt.

 

Die meisten Versuchsdesigns sehen folgendermaßen aus: 

In Tierversuchen werden meistens männliche Ratten mit Präparaten unterschiedlicher Dosierungen gefüttert. Danach werden folgende Indikatoren beobachtet:

  • Anzahl der Spermien
  • Eiweißaufbau
  • Erektionen
  • Paarungsversuche
  • Fruktosegehalt im Sperma
  • Testosteronspiegel

Manche Präparate wurden auch bei Männern getestet, die die Hoffnungen meist zerschlugen. Zu vielen Präparaten gibt es jedoch auch keine veröffentlichten Studien. 

 

Obwohl man nicht von Tieren auf Menschen schließen kann, ist es nicht verkehrt, in dieser Richtung weiter zu forschen. Denn die beobachteten Indikatoren sind für die männliche Lust durchaus sinnvoll. Dazu kommen wir weiter unten noch. Bis es jedoch wirklich gesicherte Ergebnisse gibt, kann man keine Empfehlung zur Einnahme solcher Substanzen geben, da es auch bei pflanzlichen Präparaten unter anderem zu DNA-Schäden in Tierversuchen kam. 

 

Die Wirkung pflanzlicher Aphrodisiaka bei Frauen

Wie sieht es nun bei den Frauen aus? Wenn man nun glaubte, die Studienlage sei bei den Männern schon überschaubar, sieht sie bei den Frauen karg aus. 

 

Die meisten Studien finden mit Frauen in der Menopause statt. Sprich dann, wenn die Hormonlage der Frau gleichbleibend ist. Das lässt die Frauen außer Acht, deren Hormonlagen zyklusbedingt unterschiedlich sind. 

 

Es gibt zwar einige Hinweise, dass es wenige Pflanzen gibt, die sich auf die menopausale Frau positiv auswirken, das liegt jedoch hauptsächlich an der Verminderung von menopausalen Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Empfindlichkeit der Haut im Genitalbereich und Stimmungsschwankungen. 

 

Darüber hinaus wird immer wieder eine Pflanze (Damiana) besonders hervorgehoben, die eine Lust steigernde Wirkung hat, weil sie angstlösend und entspannend wirkt. Dass durch die Einnahme auch Lust gesteigert wird, ist also eher dadurch zu erklären, dass Frauen, bei denen Damiana hilft, eher ein Problem mit dem Entspannen haben. Diese Pflanze wirkt auf das Nervensystem ein und muss regelmäßig angewandt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten kann. Auch hier ist bisher zu wenig Forschung passiert, um einschätzen zu können, ob die Einnahme bedenkenlos ist. 

 

Die Forschungsdesigns zeigen hier, dass es nicht so einfach ist, die weibliche Lust über Präparate zu steuern. Doch es gibt andere Lösungen, worauf ich später eingehe. 

 

Gibt es chemische Aphrodisiaka?

Es gibt vor allem unter illegalen Drogen Wirkstoffe, die luststeigernd wirken, weil sie auf das Gehirn einwirken. Diese Mittel sind, aufgrund der gesundheitlichen Risiken, keinesfalls zu empfehlen. 

 

Die Pharmaindustrie arbeitet schon seit vielen Jahren an einem "Viagra für die Frau". Doch die Wirkung der Pille fällt eher mäßig aus, denn häufig liegt es bei Frauen nicht an der Durchblutung oder der genitalen Erregbarkeit, dass sie keine Lust verspüren. Meistens liegt es an mentalen Barrieren. Und die lassen sich auch durch Pillen nicht so treffsicher ausschalten. 

 

Für den Mann gibt es Viagra und ähnliche Medikamente, die auf dem gleichen Wirkprinzip basieren. Allerdings wirkt auch dieses Medikament nicht auf die Libido direkt, sondern eher auf die körperliche Erregungsfähigkeit. Weshalb Viagra und co eher als Potenzmittel als als Aphrodisiakum zu sehen ist. Dass die blaue Pille jedoch auch einen Einfluss auf das Lustempfinden von Männern einwirken kann, liegt an der männlichen Sexualität.

 

Männliche und weibliche Sexualität

Männer und Frauen ähneln sich in ihrer Sexualität mehr als landläufig vermittelt wird. Das sei hier einfach einmal gesagt. Doch es gibt Unterschiede. Diese spiegeln sich in der Wirksamkeit von Aphrodisiaka widere. 

 

Sowohl männliche, als auch weibliche Lust wird durch mentale und körperliche Faktoren beeinflusst

  • Stress vs. Entspannung
  • körperliches Wohlbefinden
  • Depressionen
  • Alltagssorgen
  • Leistungsdruck
  • Gesundheitlicher Zustand (vor allem Herz-Kreislauf-Gesundheit)
  • Wissen über eigene Lust
  • Selbstbestimmungsgefühl
  • Freiwilligkeit
  • Beziehungsqualität

Und einiges mehr beeinflussen Männer wie Frauen in ihrer Sexualität. Das heißt, dass nicht jede Lustlosigkeit bei Männern mit Viagra verbessert werden kann und nicht jedes "darüber reden" bei Frauen ihre Lustlosigkeit. Es kommt immer auf die Ursache an. Doch es gibt auch Unterschiede, die Beachtung brauchen.

 

Einflüsse auf die Weibliche Sexualität

  • Situativ: Äußere Umstände wirken sich im Schnitt bei Frauen stärker auf die Lust aus als bei Männern. 
  • Flexibel: Durch den Zyklus und wahrscheinlich durch andere Faktoren (Sozialisierung) ist die weibliche Sexualität flexibler und wirkt dadurch unberechenbar. Nicht alles ist immer gleich gut und dadurch auch nicht immer gut vorhersehbar. Deshalb fällt es manchen Frauen schwer zu sagen, was genau sie wirklich gut finden.
  • Soziale Erwünschtheit: Frauen werden immer noch anders erzogen, wenn es um die sexuelle Moral geht. Bewertungen und das oft höhere Bedürfnis zu gefallen, erschweren es Frauen manchmal, ihre eigene Sexualität und Lust zu entdecken und dazu zu stehen.
  • Genitale Erregung ist nicht so deutlich sichtbar: Ein fundamentaler Unterschied ist, dass die weibliche Erregung nicht so deutlich sichtbar ist wie eine pralle Erektion. Es bedarf ein feines Körpergespür und die Freude am eigenen Körper, dass Frau diese Veränderung wahrnimmt und darüber auch mentale Erregung zulassen kann.

Einflüsse auf die Männliche Sexualität

  • Testosteron: Dieses Hormon beeinflusst die männliche Lust maßgeblich. Ein zu geringer Testosteronspiegel verringert oft die Lust. Deshalb kann die Gabe von Testosteron die Lust steigern. Allerdings gilt hier nicht: Je mehr, desto besser!
  • Genitale Erregung oft mit Lust assoziiert: Jungs lernen oft, dass ihre Erektionen mit Lust verbunden sind. Zwar erleben sie auch in der Jugend, dass Erektionen auch völlig grundlos passieren, doch über die Zeit verfestigt sich bei vielen Männern, dass Erektionen mit Lust zusammenhängen. Daher wirken auch Mittel, die Erektionen herbeiführen, manchmal luststeigernd auf Männer.
  • Erwartungen: Männer wachsen mit der Erwartung auf, dass sie eine hohe Libido haben. Daher sind Männer, deren Libido weniger hoch ist (wobei da auch die Frage ist, was das bedeutet), oft verunsichert, ob bei ihnen alles "normal" ist.
  • Soziale Erwünschtheit: Männer, die viel Lust auf Sex haben, werden als besonders männlich angesehen und als fähig wahrgenommen. 

Bei Frauen fällt auf, dass die Erziehung und die gesellschaftliche Norm einen dominanten Einfluss auf die Lust zu haben scheinen. Da körperliche Signale eher subtil sind und dafür auch kaum Bewusstsein geschaffen wird, fällt es manchen Frauen  schwer, ihr eigener Referenzrahmen zu sein.

Männer haben über ihre Erektion ein sehr deutliches Feedback für sexuelle Erregung. Testosteron ist bekannt dafür, den Sex-Drive zu steigern. Ein Hormon, das bei Frauen ähnlich wirkt, ist bisher nicht klar definiert. Außerdem fördert die soziale Norm das Entdecken der eigenen Lust

Insgesamt ist daher die männliche Libido über Präparate leichter zu beeinflussen als die von Frauen. 

 

Libido steigern über den Körper

Doch wenn die Lust mehr werden soll, kann man dies auf unterschiedliche Weise tun. Im folgenden gebe ich kurze Anregungen, wie das gehen kann. 

 

Die Durchblutung der Genitalien ist für beide Geschlechter wichtig, um sexuelle Lust empfinden zu können. Bei Männern ist dieser Effekt noch ein klein wenig bedeutsamer als bei Frauen. Deshalb ist Bewegung ein ganz wichtiges Mittel, um die Durchblutung zu fördern und darüber auch leichter sexuelle Lust zu spüren. (Übergewicht und koronare Herzerkrankungen sind im Übrigen bei Männern Faktoren, die zu Potenzproblemen führen können.)

 

Ein weiterer Weg die Lust zu steigern, ist eine vermehrte Aufmerksamkeit auf den Genitalbereich und das Erleben, dass dieser Bereich "lebendig" ist. Das ist vor allem auch bei Frauen ein guter Weg, mehr Bewusstsein für die eigene Erregung zu entwickeln. Bewusste Berührungen oder ein "hineinspüren" können zwei Wege dazu sein. 

 

Als kleine Hilfsmittel für Frauen werden auch Gels und Cremes verkauft, die die genitale Durchblutung steigern. 

 

Libido steigern über mentale Strategien

Viele Menschen, die über mangelnde Lust klagen, haben einen recht vollen Alltag. Dabei ist es egal, ob es sich um einen stressigen Job, Kinderbetreuung, Alltagserledigungen oder alles mögliche andere handelt. Das Gefühl, immer unter Strom zu sein und ständig leisten zu müssen, kann dazu führen, dass man sich nicht mehr die Ruhe gönnt, um Lust entstehen zu lassen. 

 

Generell wirkt sich Stress negativ auf Lust aus. Das hat mit unterschiedlichen Reaktionen im Körper zu tun. Wer also viel Stress empfindet, tut gut daran, sich Strategien zu entwickeln, um Stress nachhaltig zu verringern. Das wirkt sich auch wieder positiv auf die Lust aus. 

 

Probleme und ungeklärte Konflikte in der Partnerschaft können bei Männern und Frauen die Lust abflauen lassen. Um da die Lust wieder zu wecken, hilft meist nur, den Konflikt zu klären.

 

Auch Langeweile und Routine kann die Lust auf Sex abebben lassen. Hier hilft es, sich aktiv miteinander auszutauschen, um auf neue Ideen zu kommen und den Mut zu haben, etwas auszuprobieren. Selbst wenn es scheitert.  

 

Ein Problem, das vor allem Frauen haben, ist, dass sie selbst kein Gefühl für ihre Lust entwickelt haben. Oft liegt das daran, dass Mädchen sich an der Lust von Jungs orientieren und im Erwachsenenalter das gelernte nicht hinterfragen. Das Ergebnis ist oft ein "das find ich nicht sexy, also hab ich wohl keine Lust." In diesen Fällen ist es besonders hilfreich, sich mit der eigenen Lust zu befassen. Für die Erkundung der weiblichen Lust habe ich ein E-Kursbuch entwickelt.

 

Das Fazit

Obwohl es in Zukunft sicher noch einiges zu entdecken gibt, gilt vor allem, die Ursachen für die Lustlosigkeit genauer zu betrachten. Denn das wirkt nachhaltiger und in den meisten Fällen ist es gesünder als dubiose Mittel im Internet zu bestellen. 

 

Spar dir also das Geld für Pillen und Mittelchen, solange es nicht medizinisch erforderlich ist. Die meisten im Netz angebotenen Aphrodisiaka halten nicht, was sie versprechen. Im besten Fall sind sie wirkungslos, im schlimmsten schädigen sie dich. 

 

Wenn du das Gefühl hast, du hättest gerne ein bisschen mehr Lust, lohnt es sich, sich mehr mit Lust zu befassen und gegebenenfalls nach der Ursache des Lustmangels zu suchen. Denn nur dann kannst du einen Weg finden, deine Lustlosigkeit wieder loszuwerden.