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Die fünf Sprachen der Liebe und Sex in der Beziehung

fünf Sprachen der Liebe
Photo by Wright Brand Bacon on Unsplash

Die Diskussion “Sex geht nur mit Liebe” oder umgekehrt, ebenso wie “Sex geht auch völlig ohne Liebe” und umgekehrt, führen viele Magazine und deren AutorInnen schon eine ganze Weile. Sie greifen auf, was auch einige meine Kunden immer wieder umtreibt: “Wenn du mich liebst, wieso schläfst du dann nicht mit mir?”

 

Nun gibt es viele Ansätze zu erklären, wieso das Sexleben in langen Beziehungen rapide bergab gehen kann. Von hormonellen Erklärungen, über die Gewöhnung, über die Langeweile oder die mangelnd Qualität des Sex ist alles dabei. 

 

Und doch gibt es immer wieder Paare, bei denen es nicht unbedingt als erstes daran liegt. Sondern daran, dass sie sich nicht mehr so geliebt fühlen wie das schon einmal war.


Muss man sich doch lieben, um Sex zu haben?

Jetzt stellt sich die Frage: Geht Sex doch nicht ohne Liebe? 

 

Das glaube ich nicht. Doch in langen Beziehungen zeigen sich die Unterschiede in den Bedürfnissen im Bett deutlich. Auch gewinnt die Dimension der “Nähe” und das “Zulassen von Nähe” Bedeutung (wobei zu große Nähe auch die Lust killt).

 

Wer frisch verliebt ist, der fühlt sich sowieso vom anderen begehrt und heiß gemacht. Wenn der Alltag einkehrt, dann wird der/die Partner/in wieder zum normalen Mensch, mit dem/der man viele Erlebnisse und Erinnerungen teilt, weshalb man ihn/sie nicht vor die Tür setzt, sondern an der Beziehung festhält. Doch gerade diese Alltagsroutine führt dazu, dass wir uns nicht mehr die Aufmerksamkeit geben, die wir gegenseitig wünschen.

Wer sich nicht geliebt und geschätzt fühlt, verliert das Bedürfnis nach intimer Nähe

Würdest du mit deiner/m sehr neutralen, jedoch netten Nachbarn/in schlafen? Ich mein jetzt nicht mal nur für ein Mal, sondern regelmäßig - quasi verpflichtend?

 

Ungefähr so fühlt es sich in manchen Partnerschaften an: Man kennt sich, grob mag man sich auch. Doch über die Zeit schleicht sich das Gefühl von “man kennt sich in und auswendig” ein, gepaart mit den kleinen Verletzungen und den nicht oder wenig erfüllten Hoffnungen und Erwartungen. Zusammen gibt das ein Gebräu, das zu ordentlicher Unlust auf mindestens einer Seite führen kann.

Liebessprachen als guter Wegweiser

Dabei wäre es prinzipiell gar nicht so schwer, dem anderen immer wieder das Gefühl zu geben, ihn/sie wirklich zu schätzen. Gary Chapman hat ein Buch geschrieben, das sich “Die fünf Sprachen der Liebe” nennt. 

 

Grob ist das Konzept folgendes:

Jeder Mensch kann lieben und Liebe annehmen. Doch weil wir unterschiedlich sind, sprechen wir unterschiedliche Liebessprachen. Wenn der Mensch, mit dem du zusammen bist, eine völlig andere Sprache spricht, fühlt ihr euch voneinander irgendwann mehr frustriert als geliebt. 

 

Der Fehler liegt nicht daran, dass die Liebe abhanden gekommen ist, sondern, dass ihr über die Jahre verpasst habt, eure gegenseitigen Liebessprachen zu sprechen.

5 Sprachen der Liebe und Beispiele

Die fünf Sprachen der Liebe nenne ich kurz und mache dazu Beispiele.

  1. Lob und Anerkennung
  2. Zweisamkeit - die Zeit für euch allein
  3. Geschenke, die von Herzen kommen
  4. Hilfsbereitschaft
  5. Zärtlichkeit

Bisher habe ich beobachtet, dass prinzipiell jeder Mensch jede Sprache sprechen und halbwegs verstehen kann. Doch es gibt eben bei jedem Menschen die eine oder zwei Sprachen, die direkt ins Herz gehen.

 

Vielleicht spricht er immer wieder anerkennende Worte aus. Sie fühlt sich davon jedoch veräppelt, weil sie nicht versteht, dass er damit seine Liebe zum Ausdruck bringt. Wenn sie ihn dann kritisiert, trifft es ihn doppelt hart. Denn sie kritisiert ihn nicht nur, sondern beschimpft ihn in seiner Liebessprache und bringt in seinen Ohren tiefe Abneigung zum Ausdruck.

 

Lisa mag gerne viel Gesellschaft. Jedes Mal, wenn sie mit Anne ein Date ausmacht, sind immer mindestens noch 2 weitere Menschen da. Annes Liebessprache ist jedoch die Zweisamkeit. Da Lisa und Anne jedoch wenig Zeit zu zweit haben, fühlt sich Anne über die Jahre einsam mit Lisa.

 

Armin und Beate sind seit 20 Jahren verheiratet. Beate erzählt ihrer besten Freundin zum wiederholten Mal, dass Armin ihr noch nicht einmal zum Jahrestag einen Blumenstrauß mitbringt. Beate sieht kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten als Zeichen der Liebe.

 

Norbert ist völlig frustriert, weil Inge abends auf dem Sofa ihrem Handy mehr Streicheleinheiten gibt als ihm. Er hatte gehofft, wenn die Kinder aus dem Haus sind, ist er wieder an der Reihe. Die Bude ist blitzblank und sie erinnert ihn auch an alles, was zu tun ist, aber ihm mal den Kopf zu kraulen, das kommt ihr nicht in den Sinn. Sie zeigt mit ihrer Fürsorge und Hilfsbereitschaft ihre Liebe, er wünscht sich jedoch mehr Zärtlichkeiten. Sie ist von seinem Kuscheln aber schon genervt, weil er noch nicht einmal sieht, wenn der Müll rausgebracht werden muss.

Tiefe Klieschee-Kiste?

Klar, doch ich habe all diese Beispiele schon 1:1 in Coachings gehört. Die falsche Liebessprache gepaart mit der ganz automatisch einsetzenden Realität und Entzauberung des/der Partners/Partnerin, führt oft zu einer inneren Distanzierung.

 

Wer sich jedoch sehr distanziert fühlt, möchte auch keinen Sex mit dem anderen. Vor allem nicht, wenn Zärtlichkeit nicht die eigene Sprache der Liebe ist.

Spricht also immer eine/r aus der Beziehung die Sprache Zärtlichkeit?

Auch wenn es in Partnerschaften oft eine Person gibt, die gerne mehr Sex hätte, heißt es noch lange nicht, dass Zärtlichkeit deren Liebessprache ist.

 

Doch wenn die gegenseitige Liebe nicht mehr klar spürbar ist und Sex quasi als ein weiteres To Do auf der Liste steht, wird das nicht zu einem Mehr an Sex führen. Gerade in langjährigen Beziehungen ist es unerlässlich, sich gegenseitig immer wieder zu zeigen, dass man den/die andere/n liebt. Und zwar in der Sprache der anderen Person!

 

Das ist kein Zwang, doch wer den/die Partner/in wirklich im eigenen Leben haben möchte, darf empathisch Liebe zeigen. Denn der Frust über das Ungeliebt sein garantiert, dass irgendwann nichts mehr im Bett läuft

 

Herauszufinden, ob die gegenseitige Wertschätzung noch da ist, ist in meinen Coachings immer ein wichtiger Punkt. Denn wenn diese Basis nicht da ist, fallen alle noch so ausgefeilten Sex-Tipps auf unfruchtbaren Boden.

 

In diesem Sinne sind Liebe und Sex nicht untrennbar, jedoch in langen Beziehungen hilft die passend zum Ausdruck gebrachte Liebe definitiv dabei, intime Nähe zu fördern.