Mehr Tiefe beim Sex

Mehr Tiefe beim Sex
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Letzte Woche bekam ich eine Email, in der mich eine Frau danach fragte, was sie tun kann, um einen tieferen oder auch spirituelleren sexuellen Kontakt zu bekommen.

 

Diese Frage erreicht mich ziemlich häufig und es ist kein Wunder, dass ich das hauptsächlich von Frauen höre. Und ich find es klasse, dass sich Menschen darum bemühen, ihrer Sexualität Tiefe zu verleihen. Denn das ist die Weiterentwicklung der Sexualität in einer Beziehung und auch der eigenen Persönlichkeit.

Woher kommt der Wunsch nach Tiefe?

Jeder, der schon einmal eine längere Beziehung hatte, weiß, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem Sex einfach nur Sex ist. Man kennt sich, man hat schon vieles ausprobiert, man kennt die Komfortzone dieser Paarkombination. Das ist der Punkt, an dem man erkennt, dass der Sex "funktioniert", aber er hat die Leidenschaft und die Aufregung des Anfangs verloren.

 

Viele Paare äußern genau an diesem Punkt den Wunsch, wieder zu dieser Form von Sex zurück zu kommen. Und das ist der Moment, an dem sowohl sie als auch ich scheitere, wenn das die Erwartung ist. Denn der Sex des Anfangs ist so spannend, weil man sich noch nicht kennt. Danach haben wir "Alltagssex" und dann bleibt das Level, stirbt das Sexleben des Paars oder sie gehen einen Schritt in die Tiefe.

Was bedeutet mehr Tiefe?

Diese Frage wird meistens mit mehr Verbundenheit, mehr Nähe, höhere Intensität und weniger Rollenspiel beantwortet.

 

Da sind wir an einem wesentlichen Punkt der partnerschaftlichen Entwicklung: Wenn es um mehr Tiefe im Sex geht, geht es darum, sich zu zeigen, emotional, in der eigenen Bedürfnissen, völlig nackt. Es geht darum, sich abzurüsten, weicher zu werden, den anderen an sich herankommen lassen, sich von Herzen zu öffnen. Es geht um Verbindung und sich gegenseitig spüren und wahrzunehmen.

 

Da rückt die Geilheit erst einmal aus dem Fokus heraus. Es geht darum, sich selbst ungeschminkt zu zeigen ohne gefallen zu wollen. Denn wenn wir uns in der ersten Zeit sexuell begegnen, geht es um hormonelle Reaktionen, um sich gegenseitig zu erobern, sich gegenseitig zu gefallen. Nachdem wir das erreicht haben in gewisser Weise, können wir das Wagnis eingehen, uns in unserem ganzen Sein zu zeigen.

Wie erreicht man Tiefe?

In einer Partnerschaft kann der partnerschaftliche Sex nur tiefer werden, wenn sich beide dazu bereit erklären, es zu versuchen, einen Schritt weiter zu gehen. Wenn beide versuchen, zumindest ab und an von den alten Mustern abzulassen. Das bedeutet keinesfalls, dass man den Sex, den man bisher hatte, ganz lassen sollte. Im Gegenteil, es geht darum, die Sexualität zu erweitern. Also neben dem Alltagssex auch einmal die Tiefe zu wagen.

 

Eine Übung dazu ist, langsamer zu werden und sich gegenseitig zu streicheln. Beide Partner spüren sich und geben Feedback, was in ihnen dabei vorgeht. Sie äußern Wünsche, wo und wie jetzt gestreichelt werden soll. Man schaut sich dabei in die Augen, wenn es geht. 

 

Es geht bei mehr Tiefe um einen Prozess, sich besser kennen zu lernen und näher zu kommen. Es ist ein Bewusstwerdungsprozess.

Wenn der Partner nicht mitmacht

In dieser schönen Theorie ist jedoch ein Haken: Genau wie bei den Frauen, die mich anschreiben, ist der Haken, dass der Partner manchmal einfach nicht mitmachen will. Er schätzt den Status Quo und will ihn nicht ins Wanken bringen. Und vielleicht ist er nicht bereit dazu, sich näher auf die andere Person einzulassen.

 

Was kann man da machen?

 

Ganz einfach: Sexualität ist nicht nur eine partnerschaftliche Einbahnstraße. Wenn man mehr Tiefe in seiner Sexualität haben möchte, kann man diese auch in der Sexualität mit sich selbst kultivieren. Bring mehr Nähe in deine Selbstbefriedigung. Beginne damit, dich mehr zu spüren, dich besser kennen zu lernen. Befriedige dich selbst vor einem Spiegel und schau dir dabei in die Augen. Das mag zunächst peinlich sein, doch es bringt dich dir sehr viel näher. 

 

Das wirkt sich dann auch in deiner Partnerschaft aus, denn du wirst dann anders mit dir und deinem Partner umgehen.