Weibliche Sexualität ist anders

Weibliche Sexualität ist anders
Weibliche Sexualität ist anders; Bild: Alexandria www.pixabay.com

Weibliche Sexualität ist anders. Irgendwie. 

Frauen sind anders als Männer. Irgendwie.

Der weibliche Orgasmus ist anders als der männliche.

Irgendwie.

 

Ich spreche in diesem Artikel über die weibliche Sexualität. Der Grund ist, dass mir immer noch viele Frauen begegnen, die männliche Sexualität als Vorbild haben. Oder das, was in unserer Gesellschaft als Sexualität gehandelt wird. 

Ich wünsche mir mehr Entspannung für Frauen, die sich immer noch so unter Druck setzen.

 

Was ist weibliche Sexualität?

Weibliche Sexualität wird in großen sexuellen Lehren immer wieder als passiv beschrieben. Kein Wunder, dass zum Beispiel weibliche Homosexualität ignoriert wird und als nicht gefährdend wahrgenommen wird.

(Ich setze diese Aussage in Vergleich zur männlichen Homosexualität, die vor allem von Männern oft noch als gefährlich wahrgenommen wird. Homosexualität im Allgemeinen ist für sich gestellt einfach eine weitere Spielart der Natur und gehört zum menschlichen Repertoire der Sexualität ganz selbstverständlich dazu!)

 

Passivität wird in diesem Kontext oft missverstanden. Denn die weibliche Lust ist durchaus aktiv. Sie ist da und sucht nach Erfüllung.

Das aufnehmende Prinzip

Nur, weil Frauen (in der Regel) beim Sex nicht eindringen, wird die weibliche Sexualität als passiv bezeichnet. Wenn man das in sich aufnehmende Prinzip als passiv bezeichnet und das Loslassen und die Hingabe als passiv bezeichnet, ist es richtig, dass weibliche Sexualität passiv ist.

 

Doch jede und jeder, der oder die bereits einmal versucht hat, genau zu beschreiben, wie sich Berührung anfühlt, der weiß, dass es keineswegs ein passives Hinnehmen, sondern durchaus ein Akt der körperlichen und emotionalen Aktivität ist.

Ideal und Realität

Jeder von uns trägt in sich ein Bild davon, wie weibliche und männliche Sexualität ist. Das äußert sich in Urteilen, die wir fällen und in unseren Verhaltensweisen. Oft etablieren sich diese Bilder unter dem Einfluss von Medien, Eltern, Freunden und anderen äußeren Einflüssen. Wenn das für uns stimmt, dann fühlen wir uns im Schnitt gut mit unserer Sexualität. Wenn nicht, dann wird es kritisch.

 

Erst neulich hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die mir erzählte, dass sie glaube, dass sie grundsätzlich verkehrt sei, wenn es um Sex geht. Auf die Frage hin, wie sie darauf käme, hatte sie geantwortet, dass sie nie so laut beim Orgasmus sei, sondern eher sehr leise.

Am Ende des Gesprächs war die Frau auch der Meinung, dass sie völlig in Ordnung sei. Der Referenzrahmen - Pornos - stimmte für sie einfach nicht.

Es gibt Unterschiede

Was ist also weibliche Sexualität? In der Tendenz sind Frauen durch ihren vom männlichen unterschiedlichen Hormonhaushalt nicht so gleichförmig in der Stärke von Lust. Durch den Hormonhaushalt verändern sich auch die Bedürfnisse beim Sex über den Zyklus hinweg. 

 

Die erogenen Zonen verändern sich über das Leben häufig stärker als bei Männern (das liegt aber oft auch daran, dass Männer ihre erogenen Zonen vernachlässigen).

 

Weibliche Sexualenergie ist im "Ruhemodus" kühler als bei Männern (vor allem in jüngeren Jahren). Dadurch braucht es oft länger, um eine Frau für Sex zu begeistern (wenn die Frau es nicht gelernt hat, sich selbst zu erregen).

 

Doch - und das ist ganz wichtig - die Unterschiede zwischen einzelnen Menschen sind oft größer als zwischen Mann und Frau generell. Deshalb ist es für gute Sexualität über das ganze Leben hinweg so wichtig, dass du dich gut kennen lernst und akzeptierst, mit was du dich gut fühlst.

 

Deshalb viel Freude und Neugier dabei!

Mich interessiert es, wie du Sexualität wahrnimmst.

Schreib mir doch dazu!

 

Bis bald

Claudia

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Kommentare: 3
  • #1

    Ich_weiblich (Sonntag, 23 April 2017 15:26)

    Ich bin für sexuelle Befreiung, und zwar auch in der Richtung, sich VOM Sex befreien zu dürfen!!!
    Ich halte es für ein Märchen, auch wenn es immer wieder propagiert wird, dass wir unbedingt Sex bräuchten. Das ist Quatsch. Sex dient der Fortpflanzung, ansonsten dem Abbau der durch Hormone gesteuerten Spannungen.
    Wenn aber keinerlei Verlangen nach Sex da ist - wozu sollte man ihn dann betreiben?
    Warum wohl brauchen Menschen immer perversere Fantasien? Weil für soviel Sex, wie sie haben sollen, gar nicht genug Potential vorhanden ist. Damit die Lust sich dann doch einstellt, müssen Hardcore-Pornos helfen. Sex wird heute pervertiert, und da sich keiner die Blöße geben will, als Schlappschwanz oder als frigide dazustehen, machen die Menschen mit, ohne es zu hinterfragen..

    Ich habe mich jedenfalls dahingehend emanzipiert, dass ich auch in einer Partnerschaft nicht unter Sex-Zwang stehe, und es ist ungeheuer befreiend, sich zu begegnen, ohne dass dieses Thema immer unterschwellig Miss-Stimmung verbreitet.
    Die Propaganda, Sex haben zu müssen, dient der besseren Beherrschbarkeit der Massen: Sex macht kurzfristig "satt", schaltet das Gehirn ab und lässt Probleme verblassen. Er wirkt demnach wie anderer Konsum auch - ruhigstellend, verdummend. Und so rennt der vermeintlich glückliche Mensch stets brav als Arbeitstier in seinem Hamsterrad, ohne Ziel, kurzfristig befriedigt: Zuckerbrot und Peitsch - das gilt immernoch.

  • #2

    Claudia (Montag, 24 April 2017 18:45)

    Hallo Ich_weiblich,

    schön, dass du uns deinen Standpunkt hier teilst.
    Ich sage auch, dass keiner ständig Sex haben MUSS. Wenn Sex Zwang ist, dann hat es nichts mit Lust und Freude zu tun. Und das führt immer zu einem unguten und leeren Gefühl.

    Und natürlich gibt es auch Menschen, die keinen Sexdrive haben - so genannte asexuelle Menschen. Für die ist das ganz sicher nicht der richtige Weg, sich zum Sex zu zwingen.

    Jeder Mensch, der jedoch nicht asexuell ist oder sonst irgendwie sexuell beeinträchtigt, profitiert von erfüllender Sexualität. Mein Fokus ist ganz klar auf der erfüllenden, nährenden und stärkenden Sexualität. Diese hinterlässt das Gefühl des Versklavt-Seins nämlich nicht. Sie gibt Kraft, Mut, Selbstsicherheit, weil sie die Urkraft und Ur-Kreativität der Menschen anzapft.

    Im Übrigen bitte ich dich den Begriff "perverse Fantasien" zu definieren. Denn etwas, das dir nicht gefällt, ist für andere sehr anregend. Das zu verurteilen führt zu unterdrückten Mechanismen, die sich auf anderen Wegen Bahn brechen - Aggression, Machtspiele, Selbst- und Fremdbestrafung.

    Wenn es also für dich gut ist, Sex aus deinem Leben auszuklammern, dann tu das auf jeden Fall! Andere können und wollen von ihrer naturgegebenen Kraft jedoch profitieren. Und das darf auch sein!

    Alles Gute für dich!
    Claudia

  • #3

    Till Kurbjuweit (Mittwoch, 24 Mai 2017 10:15)

    Hallo „Ich_weiblich“,
    du schreibst, dass du es in der Partnerschaft als befreiend empfunden hast, sagen zu können, dass du keinen Sex (mehr?) willst. Das ist selbstverständlich ok, nur macht das ja etwas mit dem/der Partner/in, die vielleicht – oder eher wahrscheinlich – anders drauf ist. Dann kommt zwingend die Frage auf, wie dieser andere Mensch seine Sexualität künftig leben kann.
    Deiner Freiheit, Sex nicht zu wollen entspricht dessen Freiheit, Sex zu wollen - und zu leben. Wenn du dazu ganz entspannt Ja sagen kannst, dann kann das gut gehen, wenn nicht, wird sich auch der Partner „dahingehend emanzipieren“ (müssen), seine/ihre Sexualität gemäß eigenem Gusto zu verwirklichen.
    Ciao, Till