Scham oder Macht?

Scham oder Macht?
Bild: Geralt - www.pixabay.com

"Ich will nicht, dass er mich so sieht", sagt F., eine Coachee, die ich wegen Orgasmusproblemen mit ihrem Partner begleite. Als sie diesen Satz ausspricht, sind wir am Kern des Themas angelangt und es ist komplexer, als es sich auf den ersten Blick anhört.

 

Denn es geht nicht um das reine Schamgefühl, das viele Frauen immer noch empfinden, wenn sie ihrer Lust freien Lauf lassen wollen und noch nicht können. Es geht um Scham und Macht!

Macht mit Scham und Scham über Macht

Ich springe im Sessel förmlich auf, während F. sich immer noch grämt, dass sie sich so bitterlich schämt. Und ja, sie schämt sich. Ihre Worte klingen ehrlich, sie sind weder einstudiert noch geübt. Doch hier und da blitzen ihre Augen und ihre Mundwinkel verraten, dass es um mehr als nur Scham geht.

 

"Was bedeutet das Schmunzeln um deinen Mund, wenn du mir von deiner Scham erzählst?" Sie wirkt irritiert. Manche Menschen grinsen, wenn ihnen etwas peinlich ist. Doch das ist ein anderes grinsen.

 

"Was macht es mit dir, wenn du dich ihm entziehst und dich nicht so lustvoll zeigen magst." Stille. Pause. Die Antwort kommt ganz klar: "Ich will nicht, dass er weiß, dass er Macht über meine Lust hat."

Machtspiele

Eigentlich hatte ich nicht mit dieser Antwort gerechnet. Doch das, was in diesem Coaching vor sich ging und ganz konkret auf den Punkt gebracht wird, läuft ganz häufig ab: Frauen und Männer spielen Spiele. In diesem Fall ist es ein Spiel, bei dem sich die Frau ziert, dem Mann seine "Belohnung" für seine Bemühungen zu geben, weil sie ihm diese Macht nicht zugestehen mag.

 

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Machtspiele sind oft Teil von Erotik und Fantasien. Das ist natürlich und völlig okay. Doch in diesem Fall und in vielen anderen Fällen, werden diese Spiele unbewusst gespielt und das zum Nachteil beider Parteien! Und das ist absolut schade.

Wer hat die Macht?

Schade ist, dass bei den unbewussten Spielchen beide Macht abgeben. Keiner ist in seiner Mitte. Weder die Frau, die ihre Integrität wahren möchte und auch ihre Schamgrenze wahrt, noch der Mann, der sich über die Maße anstrengt. Die Frau beraubt sich ihrer Ekstase und der Mann ebenso!

 

Unterm Strich verlieren beide.

 

Als wir das heraus gearbeitet hatten, war F. sehr beschämt, weil sie sich für das Spiel schämte. Ich beruhigte sie. Schließlich war das keine Absicht. 

Aus Machtspiel wird Machtkampf

Doch aus solchen kleinen Machtspielen können ganze Machtkämpfe werden, die Beziehungen beeinträchtigen. Das passiert dann, wenn Sex als Druckmittel instrumentalisiert wird. 

 

"Wenn du das nicht machst, dann kriegst du keinen Sex."

Oder wenn der Mann partout nicht auf die Bitten seiner Frau eingeht. 

 

Ganze Beziehungen können so aufgebaut sein. Wer das mag, der darf das gerne so leben. Doch in meinen Augen sollte Sexualität kein Druckmittel sein, bei dem es darum geht, den jeweils anderen in die Pfanne zu hauen. Ja, das machen wir manchmal bewusst oder unbewusst. Doch damit schneidet man sich von der sexuellen Energie ab und instrumentalisiert den Akt.

Motive, Muster, Lust

Viele Menschen, die Sex ablehnen, haben Erfahrung mit dem Thema Sex als Macht- oder Druckmittel. Ohne persönliche Entwicklung oder Veränderung nimmt man das Muster meist zu anderen Partnern mit.

 

Löst man das Muster, indem man die Motive dahinter versteht und löst, kann sich Lust und Sexualität wieder frei entfalten und das Sexleben grenzenlos schön werden!

 

So ging es im Übrigen auch F., die heute ein schönes und freies Sexleben führt.

 

Bis bald,

Claudia

 

 

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