Schatz, ich liebe Dich (aber ich möchte nicht mehr mit Dir schlafen)

Paar auf Parkbank - Heartbreak - Pixabay
Heartbreak - Pixabay

Ich kenne viele Paare, die schon sehr lange miteinander zusammen sind. Ein erschreckend hoher Anteil hat nahezu kein Sexleben mehr. Deswegen widme ich diesen Artikel an Menschen in längeren Beziehungen - oder denen, die Angst vor der Sexwüste in Langzeitbeziehungen haben.

 

Du erfährst, was Du tun kannst, um Dein Sexleben spannend zu gestalten.

 

Ich liebe Dich, aber im Bett ist Flaute

Der Artikeltitel stammt aus meinem eigenen Sprachrepertoir. Verwendet habe ich ihn nie im Gespräch mit meinen Ex-Partnern. Doch er fiel das eine oder andere Mal in Gesprächen mit Freundinnen, denen es ebenso ging.


Jeder kennt es, dass die Anfänge einer Beziehung voller Sex und Leidenschaft sind. Doch nach und nach kehrt der Alltag ein und von der hitzigen Leidenschaft ist nichts mehr übrig. 


Was tun?



1. Abstand

Häufig kleben Partner ziemlich stark aneinander. Jeder möchte dem anderen möglichst nahe sein und alles mit ihm teilen. Das ist auch gut und natürlich. Doch wenn das Du und das Ich immer mehr zu einem "Wir-Brei" wird, gibt es nichts mehr, was die Spannung aufrecht erhält. 


Ein Paar besteht aus zwei Menschen, die eine Beziehung gestalten. Jeder bringt damit etwas Neues in den Raum mit ein, der sich zwischen den Partnern auftut. Ideen, Erlebnisse, Erfahrungen, Impulse. Wenn Du alles mit Deinem Partner teilst, gibt es nichts, was ihr euch erzählen könnt. Und es gibt auch nichts mehr, was Spannung erzeugt (außer vielleicht negative Spannung).


Außerdem kann das Minimum an Sehnsucht nach dem anderen wie ein Aphrodisiakum wirken. Überlege doch einmal, wie es zu Beginn eurer Beziehung war. Das Getrennt-Sein hat Deine Lust nur angefacht. Wieso sollte das jetzt anders sein?



2. Gefühle

Sexualität verändert sich innerhalb einer Beziehung. Auch Gefühle verändern sich über die Zeit. Meistens glauben wir genau zu wissen, was der andere denkt und fühlt. Das ist ein riesiger Irrtum. Wir nehmen an, dass sich etwas so verhält, wie wir es erwarten, weil es aus der Erfahrung so sein muss. 


Wenn Partner schon lange in einer Beziehung sind, ist die Gefahr der Einstellung "Ich weiß eh schon wie er/sie tickt" sehr hoch. Meistens hören beide Parteien auf, sich gegenseitig zu erforschen. Offene Gespräche, in denen es darum geht, wie sich jeder im Moment fühlt, können wahre Wunder wirken. Sie intensivieren die Nähe zueinander und können dabei helfen, Beziehungskrisen zu meistern oder zu umschiffen.


Deswegen sind Gespräche über die Gefühle wichtig. Die Nähe wirkt sich auch positiv auf das Vertrauen zum Partner aus. Gerade Frauen, die sich nicht Fallen lassen können, profitieren von dieser Art Nähe! Das Vertrauen gibt ihnen die Sicherheit, sich hinzugeben und zu öffnen. 



3. Neue Impulse

Wenn es um das Thema Sexualität geht, haben viele Paare ihre eingefahrenen Muster, die für beide mehr oder minder gut klappen. Anfangs probieren die meisten Paare viel aus. Einige Dinge sind nicht von "Erfolg" gekrönt, deshalb werden sie aus dem Schlafzimmer verbannt und nie wieder eingeladen. Irgendwann entwickelt sich daraus dann so etwas wie die "Best Practice". Wunderschön, wenn es um die Effektivität geht. Ultra öde, wenn es um die leidenschaftliche Liebe geht. 


Wenn Du es noch nicht versucht hast, kannst Du neue Impulse in Dein Sexleben einbringen, indem Du ganz offen und ehrlich über Deine sexuellen Fantasien sprichst, die Du gerne mal ausprobieren möchtest. Ich spreche explizit von den Fantasien, die Du ausprobieren möchtest, weil die meisten Menschen auch Fantasien haben, die sie unglaublich anturnen, jedoch kein bisschen Reiz in realen Situationen haben!


Eine weitere Möglichkeit ist es, sich in einem Erotikfachhandel neue Ideen zu holen. Das kann in einem Ladengeschäft sein oder auch über Onlineshops. Es kann ein unglaublicher Spaß sein, mit dem Partner vor dem Bildschirm zu sitzen und sich einen Abend lang durch sämtliche Online-Sexshops zu klicken. Du wirst Dich wundern. Manchmal fühlt man sich dabei wie zwei Teenies, die gerade etwas ganz Aufregendes tun. 


Auch tantrische Kurse oder Kurse, in denen neue Impulse zum Thema Sex gegeben werden, eignen sich hervorragend, wieder neuen Wind in das Sexleben einer Langzeitbeziehung zu bringen!


Möglicherweise findest Du auch in Büchern oder Filmen Anregungen, die Du gerne ausprobieren möchtest. Trau Dich und spring über Deinen Schatten! 


Gespräche mit Freundinnen und Freunden können auch neue Impulse liefern. Wenn Du also Freunde hast, mit denen Du über Sex sprechen kannst, tausch Dich gelegentlich auch mit ihnen aus.


Manche Paare einigen sich nach Jahren der exklusiven Monogamie darauf, dass sie ihre Beziehung für sexuelle Abenteuer öffnen. Das ist nicht für jeden etwas, doch es bringt wieder Dynamik in eine Beziehung und kann eine Beziehung enorm beleben.


4. Selbstliebe

Es mag paradox klingen, doch Masturbation kann das Sexleben von Paaren auch beleben. Das hat mehrere Gründe.


  • Wenn jeder Partner sexuell satt ist (genügend Orgasmen hat), dann fällt es leichter, die gewohnten Routinen zu durchbrechen. Das kann der erste Schritt aus dem Standard-Sex-Programm sein, den ihr euch beide vielleicht sehnt.
  • Jeder Partner kann seinen Körper noch intensiver kennen lernen. Wenn man sich bei der Selbstliebe nicht ausschließlich auf den Genitalbereich beschränkt, sondern den restlichen Körper mit einbezieht, kann das bereichernd für beide Partner sein. 
  • Der Körper wird in Berührungswahrnehmung geschult und erotische Energie wird schneller aufgebaut, kann länger gehalten werden und neue Praktiken können in der Selbstliebe einstudiert und geübt werden.
  • Masturbation ist ein wundervoller Ausdruck der Selbstachtung und der Beziehungspflege zu sich selbst. Dabei hast Du die Chance, Dich völlig auf Dich zu konzentrieren, Dein sexuelles Potenzial für Dich alleine zu genießen und Du empfindest Dich automatisch als erotischer und begehrenswerter.
  • Du kannst neue Dinge ausprobieren, ganz schamlos und frei. Du kannst es als süßes Geheimnis für Dich bewahren oder es in das Liebesspiel mit Deinem Partner integrieren. Beides wirkt sexy, anziehend und erotisch - auf euch beide!

Es gibt noch viele Gründe, wieso Du es Dir auf jeden Fall gönnen solltest, immer wieder Hand an Dich selbst zu legen. Es zahlt sich aus und belebt die Beziehung zu Dir selbst und zu Deinem Partner!



5. Kontextfaktoren

Ein technischer Begriff für das, was ich Alltag nenne. Häufig haben sich nicht nur im Sexleben die Routinen eingeschlichen. Der Alltag ist ebenso routiniert, was durchaus wichtig ist und seine Berechtigung hat. Doch für das Sexleben sind gewisse Faktoren wichtig. Sie sollten Beachtung finden, egal wie lange ihr schon ein Paar seid. Die wichtigsten zu beachtenden Dinge habe ich hier beschrieben.



6. Beziehungskrise

Nicht nur der Alltag kann das Feuer der Lust ersticken. Auch Beziehungskrisen können Teil der sexuellen Problematik sein. 


Der Satz: "Schatz, ich liebe Dich... ich möchte nur nicht mehr mit Dir schlafen", kam immer dann in meinen Kopf, wenn die Beziehung unrettbar zu Asche zerbröselte. Zumindest empfand ich es damals immer als unrettbar. 


Heutzutage weiß ich, dass das für mich der Wink mit dem Zaunpfahl hätte gewesen sein müssen, mich endlich darum zu kümmern, die Beziehungsprobleme aus dem Weg zu räumen. Und genau das lege ich auch Dir ans Herz, wenn Du weißt, dass etwas im Argen liegt und das Sexleben schon bereits darunter leidet. 


7. Ungelöste Orgasmusprobleme

Anorgasmie kann auch ein Punkt sein, wieso der sexuelle Drive verloren geht. 


Wieso ist es nicht von Anfang an so?


Anfangs sind Hormone und der Reiz des Neuen dafür verantwortlich, dass auch Frauen mit Orgasmusschwierigkeiten Sex genießen und aktiv suchen. Doch wenn dann der Alltag da ist, der Hormoncocktail wieder auf dem Standardlevel eingependelt ist und die Orgasmusprobleme sich nicht nennenswert verändert haben, verlieren Frauen häufig die Lust am Sex mit dem Partner. 


Was Männer gegen Anorgasmie bei ihren Partnerinnen tun können, können sie in meinem 171 Seiten langen Ratgeber nachlesen. Erhältlich ist er unter folgender Website: Lust statt Frust.



Zusammenfassung

Zu guter Letzt noch einmal in Kurzfassung:


  1. Gönne Dir und Deinem Partner Auszeiten, in denen ihr verschiedene Unternehmungen macht. Nehmt euch eure Freiräume und pflegt eure individuellen Bedürfnisse. Das bereichert eure Beziehung.
  2. Sprecht über Dinge, die euch im Inneren bewegen. Sprecht über Gefühle und das, was euch aktuell am meisten bewegt. Das schafft Nähe und Vertrauen.
  3. Holt euch neue Impulse und zwar überall her, wo es euch einfällt!
  4. Nimm Dir die Freiheit, erotische Zeit mit Dir zu verbringen. Sprich: Masturbation nährt auch eure Beziehung, weil sie euch orgastisch satt macht und Routinen dadurch besser durchbrochen werden können.
  5. Beachte euren Alltag. Was passiert in eurer Beziehung, seid ihr lebendig? Seid ihr in Kontakt? Lebt ihr nebeneinander her? Schenkt ihr euch außerhalb des Bettes überhaupt noch Zärtlichkeiten und Aufmerksamkeit?
  6. Stehen ungelöste Beziehungsprobleme zwischen euch? Geh sie an und schafft sie aus der Welt. Negative Gefühle in Bezug auf den Partner können sich hemmend auf die Lust zwischen euch auswirken.
  7. Orgasmusprobleme treten auf und können gelöst werden. Wie Männer dabei unterstützen können, findest Du in meinem EBook. Am effektivsten ist es jedoch, wenn Frau sich selbst darum kümmert. Ich unterstütze Frauen dabei, ihr Orgasmuspotenzial (wieder) voll ausschöpfen zu können. 


Was auch immer die Ursache für die Flaute in eurem Bett ist, in den meisten Fällen könnt ihr es beheben. Die gute Nachricht daran ist, dass es wirklich Spaß machen kann, ein neues Sexkapitel mit einer vertrauten Person aufzuschlagen.


In diesem Sinne viel Spaß, Erotik, Fantasie und Kreativität bei der Wiederentfachung eures Sexfeuers!


Wenn Du schon Durststrecken überlebt hast, wie habt ihr das hinbekommen? Es freut mich, wenn Du Deine Erfahrung teilst, dass auch andere von Deiner Lösung inspiriert werden können.


Claudia



Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Melanie Mittermaier (Mittwoch, 15 April 2015 15:06)

    Liebe Claudia,

    ja, ich habe auch ein neues Sexkapitel mit meinem Mann aufgeschlagen und es ist großartig. Wir haben uns über die (fast) Flaute im Bett neu kennen gelernt. Wir durften lernen, über Sex zu sprechen. Heute ist das völlig normal und wir können sogar über vieles lachen.

    Es lohnt sich in jedem Fall, sich die Flaute genauer anzuschauen, zu klären woher kommt sie und mit deinen Anregungen und vielen Gesprächen die Lust neu zu entdecken.

    Herzlichst
    Melanie

  • #2

    Claudia (Sonntag, 19 April 2015 19:21)

    Liebe Melanie,

    schön, dass Du Deine Erfahrung hier teilst! Das ermutigt sicherlich auch andere, nochmal neu durchzustarten!

    Liebe Grüße
    Claudia

  • #3

    Robert Heeß (Montag, 20 April 2015 12:04)

    "Ist doch normal, dass das alles anders wird mit dem Sex, besonders wenn Kinder kommen" ... "Mensch, wir werden doch auch älter!" ... "Es kann doch nicht so bleiben wie es war, als ihr jung wart" ... undsoweiterundsofort ...

    Sätze wie diese habe ich oft gehört - und ich habe sie geglaubt. Lange. Es war ja auch bequem, ich musste mich nicht ins Zeug legen und Neues erfinden, musste mich nicht auf neues Terrain wagen, um unser Sexleben aufzufrischen. Ist ja auch irgendwie peinlich und unangenehm und störend, einem selbst und dem Partner gegenüber, anderen sowieso.

    Daher danke ich dir für deinen Mut und deine Offenheit, Claudia, die "Flaute"-Thematik ans Licht zu holen und ihr ganz praktische Tipps entgegenzustellen. Mögen sie viele viele Anwender finden °!°

  • #4

    Claudia (Montag, 20 April 2015 14:33)

    Danke, Robert, für Deinen wertvollen Beitrag! Ich denke, dass auch Dein Buch viel dafür tut, den Menschen in langen Beziehungen wieder Mut zu geben, ein neues Kapitel im Sexleben aufzuschlagen!

  • #5

    sabine weiss (Mittwoch, 29 April 2015 10:29)

    liebe claudia,
    das ist ein super artikel und er passt grad hammer! als feedback auf deinen gastartikel bei mir zum thema solosex hat mir ein bekannter geantwortet: das problem ist ja eher, wenn man schon in der beziehung keinen sex mehr hat (und nicht erst nach der trennung ;-))
    ich hab seitdem überlegt, was dazu zu schreiben, aber das hier ist viel besser ;-)
    danke, den teil ich auch noch!
    liebe grüße
    sabine

  • #6

    Claudia (Montag, 04 Mai 2015 23:10)

    Danke, liebe Sabine, für deinen lieben Kommentar.
    Freut mich, dass du den Artikel teilen magst!
    Liebe Grüße
    Claudia