Die Wilde Frau

Claudia Huber wilde Frau

Es gibt Bücher und Artikel über die „wahre Natur“ der wilden Frau. Häufig wird der Bezug zur verletzten Weiblichkeit hergestellt und das Thema Frauen im Patriachat behandelt. Die Frau wird als Opfer des Patriachats und der Männer gesehen, weshalb das Wilde und das Urinstinktliche der Frau nahezu verloren ging und ausgerottet wurde. Ich verwende bewusst diese harten Worte, da sie meine Wahrnehmung dieser Texte und Literatur widerspiegeln.

So sehr ich in vielen Punkten mit vielen dieser Texte in Resonanz gehe – ja, ich spüre auf einer sehr tiefen Ebene meiner Bewusstheit, dass viel Wahrheit in diesen Texten ist – bin ich dennoch der Überzeugung, dass es einen Weg gibt, dass sich das Weibliche und auch das wilde Weibliche nicht in einer extremen Form brutal breit machen muss, um gelebt oder gesehen zu werden.

 

 

Neue Zeiten und das Schaffen

Allein der Begriff „wild“ lässt den einen oder anderen Leser sicher innerlich zusammenzucken, zurückschrecken, an hysterische Frauen denken. Manche wird es auch an das Unbändige, Selbstbestimmte erinnern. Und genau bei den zwei letztgenannten Worten finde ich mich wieder.

Wir haben heutzutage in unserer Gesellschaft die Möglichkeit, ein neues Bild über die Weiblichkeit zu schaffen. Das ist all den früheren Frauenbewegungen gedankt. Den Frauen, die sich in wesentlich schwierigeren Situationen, für ihre eigenen Rechte einsetzten, für ihre Selbstbestimmung. Im Endeffekt für ihre Natur.

Es gab viele extreme Parolen. „Nie wieder weiße Spitzenhandschuhe“, „Frauen sind die besseren Männer“, um nur zwei davon zu nennen. Das war wichtig. Das war nötig. Es hat den Frauen von heute viele Tore geöffnet und das ermöglicht, was wir heute schaffen können, wenn wir es tun.

 

Wir können das Bild der selbstbestimmten, eigenständigen Frau prägen und formen. Und das ist im Endeffekt nichts anderes als die Essenz des Begriffs „wilde Frau“.

 

 

Wieso schreibe ich überhaupt einen Artikel hierüber? Frauen können hier alles sein, was sie wollen. Also Ziel erreicht. Oder?

Ich sage nein!

 

Das klingt jetzt hart. Ist es auch.

Die Situation heute ist eher halbfertig.

 

Was mein ich damit?

Ganz einfach: Wir Frauen haben jetzt alle Möglichkeiten. Es besteht – zumindest gesetzlich – ein Rahmen dafür, das zu sein, was wir sind: Frei und selbstbestimmt.

 

Doch wenn ich mich mit Frauen unterhalte (und auch, wenn ich in mich hinein höre), besteht eine mittelgroße Verwirrung und Unsicherheit darüber, was wir damit anfangen können.

 

 

Der Status Quo

Denn: Wir wissen nicht, woran wir uns orientieren sollen.

 

Die direkten vergangenen Generationen haben noch mitten im Freiheitskampf gesteckt. Viele unserer Ahninnen haben gearbeitet und geschuftet, waren stark, haben Länder nach Kriegen wieder aufgebaut, haben viel getragen, dennoch waren sie oft in ihrer Eigenständigkeit beschränkt, weil der Mann die Entscheidungsgewalt über alles hatte. Eine Frau war gesellschaftlich ohne Mann verloren.

 

Klar, das ist jetzt ein krasses Bild. Doch die Selbstständigkeit und die Zähigkeit und alles, was Frauen geschaffen haben, wurde nicht in diesem Rahmen gesehen und geachtet, wie es heute möglich wäre. Doch das macht den Unterschied!

 

 

Die Ahninnen, die ein Vorbild sein könnten, sind so weit in der Vergangenheit, dass wir sie schriftlich nicht mehr finden können. Damit ist uns der Verstandeszugang zumindest erschwert. Dennoch versuchen wir auf diese Erfahrungen zurück zu greifen, indem wir in unserer tiefen menschlichen Vergangenheit graben. Wir werden fündig. Doch was damals Brauch war, passt an vielen Ecken und Enden nur schwerlich in unsere heutige Lebenswelt. (Denn ganz im Ernst: Wer möchte heutzutage schon echte Blutrituale durchführen?)

 

Mut für die ErNEUerung der wilden Frau

Deswegen rufe ich zu Mut auf! Mut, neue Wege zu beschreiten.

 

Wir können uns viele Dinge und Ideen aus der Vergangenheit holen. Doch wir dürfen nicht dem Irrtum erliegen, dass früher alles richtig und gut war. Vielleicht damals. (Wenn man jedoch genau hinschaut, war früher vieles einfach nur früher… und keineswegs besser.)

 

Lasst uns die Ideen von früher verwenden, um uns heute eine passende Welt zu kreieren.

 

Eine Welt, in der wir wilden Frauen wieder einen Platz haben.

Eine Welt, in der es schön ist, wilde Frau zu sein.

Eine Welt, in der wilde Frauen geachtet und geschätzt werden, weil sie DA sind.

 

 

Ein Appell an ALLE Frauen

Deshalb beschäftigt euch Frauen mit eurer Weiblichkeit. Mit der Essenz eurer Weiblichkeit. Mit eurer Wildheit, mit eurer Ursprünglichkeit.

Verbindet euch. Heilt, wo es nötig ist, die Wunden.

Schätzt einander, unterstützt einander, berührt einander.

Teilt Ideen, teilt Gefühle.

Um etwas Neues, Tragbares zu gestalten, brauchen wir alle!

 

Es geht um mehr als die Diskussion, wer jetzt den Elternurlaub nimmt oder wer die Socken wäscht. Es geht um mehr als nur um die ewigen Hin- und Herbeschuldigungen, wer jetzt wen in der Vergangenheit unterdrückt und verletzt hat.

 

Es geht darum die Opferrolle zu verlassen. Es geht darum, die Verantwortung zu übernehmen. Es geht darum, etwas zu kreieren.

 

 

Die wilde Frau

Denn als wilde Frau ist es MIR wichtig das Leben zu ehren. Egal ob männlich oder weiblich; Mensch, Tier, Pflanze.

Es ist mir wichtig, ALLES zu leben. Meine wilden, ausgelassenen Seiten, meine weichen, fürsorglichen Seiten. Mein Herz und mein Verstand. Das Körperlich-sinnliche und das Emotional-intuitive.

 

 

Die wilde Frau definiert sich nicht über den Mann oder im Gegensatz dazu.

Die wilde Frau ehrt die Vergangenheit (als Täterin und als Opfer) und lernt aus ihr. Sie bleibt jedoch nicht in ihr stecken.

Die wilde Frau hat eine Vision für die Zukunft, sehnt sich jedoch nicht permanent nach dem Morgen.

Die wilde Frau IST!

In diesem Sinne bis bald,

 

Claudia

 

 

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Kommentare: 12
  • #1

    Mathilda (Donnerstag, 19 Juni 2014 01:36)

    Ein klasse Artikel! Sehr auf den Punkt, gerne mehr davon!

  • #2

    Claudia (Donnerstag, 19 Juni 2014 10:09)

    Danke, liebe Mathilda <3

  • #3

    Ingrid Dankwart (Donnerstag, 26 Juni 2014 22:54)

    toller Beitrag liebe Claudia,

    egal ob alt oder jung, dick oder dünn, jede Frau darf die Wildheit leben und sich zugestehen. Danke für den Beitrag.

    Ingrid

  • #4

    Claudia (Freitag, 27 Juni 2014 10:00)

    Danke, liebe Ingrid!
    Ja, es ist wichtig, dass wir uns wieder bewusst werden und uns trauen das zu leben. In Gemeinschaft ist das noch leichter, deshalb der Aufruf an uns alle. Und mein Angebot von Frauengruppen!

  • #5

    Laura (Donnerstag, 08 Oktober 2015 11:52)

    Super! Den Artikel ist sehr gut!

  • #6

    Claudia (Donnerstag, 08 Oktober 2015 13:21)

    Danke, Laura!

  • #7

    Buford Fulgham (Donnerstag, 02 Februar 2017 21:28)


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