Magerwahn bei jungen Mädchen und Frauen

"Durch Fernsehshows wie Modelcastings werden immer mehr junge Mädchen essgestört!"

Magerwahn

So tönte es heute wieder einmal aus dem Radio. Und so wenig mir diese Model-Castings-Shows als wertvolle Fernsehunterhaltung auch zusagen, nervte mich diese Aussage, die mir da entgegenschmetterte.

Die Krankenkassen mutmaßen

"Belegt" wurde diese Schlagzeile durch Mutmaßungen von Krankenkassen. Klar, die Datenlage scheint eindeutig: Im Jahr 2013 war laut des Radiosprechers nach Angaben der Kassen, jedes 4. Mädchen, das in Kliniken wegen einer Essstörung behandelt wurde, unter 15 Jahre alt.

 

Das ist definitiv erschreckend.

Die Ursache liegt nicht (allein) bei den Fernsehshows

Bei allem Verständnis dafür, dass diese Shows ein völlig falsches und unrealistisches Bild von vermeintlicher Schönheit vermitteln, und bei allem Verständnis dafür, dass ein völlig falsches Wertebild dadurch gefördert wird, behaupte ich jedoch, dass es nicht allein die Medien sind, die die ganze Magerwahnmisere zu verantworten haben.

 

Systemisch gesehen liegen hinter den Essstörungen ganz häufig wesentlich andere Faktoren als allein das aktuelle Schönheitsbild. Natürlich prägen kulturelle Schönheitsideale das aktuell erstrebenswerte Äußere immer mit.

 

Was ist mit den Rollenvorbildern der "kranken" Mädchen???

Systemisch gesehen ist eine Krankheit (wie sie sich auch immer äußern mag) eine GESUNDE Art auf ein KRANKES UMFELD zu reagieren. Das füttert natürlich die These der Anti-Modell-Show-Verfechter.

 

Ich sage, dass die Ursache viel näher zu suchen ist. Denn um erst einmal krank zu werden, müssen die Bedingungen dafür geschaffen werden. Sonst würde jedes Mädchen, das diese Shows ansieht, auf einmal dem Bild nacheifern.

 

Außerdem wissen wir aus der Psychologie, dass Menschen am leichtesten durch Modelle lernen. Das heißt, das, was wir vorgelebt bekommen, saugen wir auf wie ein trockener Schamm Flüssigkeit.

 

Deswegen sage ich, dass wir erwachsenen Frauen uns einmal selbst an der Nase packen sollten.

 

Stehen wir nicht auch immer wieder vor dem Spiegel und jammern über unsere Fettpölsterchen als wären sie das Übel der Welt? Wie viele Frauen rennen zu "Schönheits"-Chirurgen und lassen sich Fett absaugen, die Nase korrigieren, die Lippen aufspritzen und und und, damit wir "schöner" werden?

 

Wenn die Mutter einer Tochter seit jeher immer wieder vor dem Spiegel steht und sich selbst in Grund und Boden kritisiert, was denkst du: Welchen Eindruck macht sie da auf das Kind?

 

Die Mutter braucht nichtmal ständig verbalisieren, was sie von ihrem Körper hält. Das Kind bekommt es mit!

Der Grundstein wird nicht durch diese Shows gelegt

Junge Mädchen bekommen auch immer wieder mit, wie ihre Mütter Diäten machen, sich über Diäten informieren, mit Freundinnen über ihre Figurprobleme reden.

 

Außerdem kommen immer wieder innerfamiliäre Themen hinzu, bevor ein Mädchen sich "entscheidet" eine Hungerkarriere (oder Kotz-Karriere oder Fress-Karriere) einzuschlagen.

 

Ich wage es zu behaupten, dass ein verhältnismäßig gesundes Kind, das den liebevollen und wertschätzenden Umgang mit seinem Körper und sich selbst gelernt hat, durch die Modell-Shows nicht die Bohne beeinflusst wird.

Wie wäre es mit...

Tja, wie wäre es denn, wenn wir den Mädchen und jungen Frauen ein besseres Vorbild geben würden? Und zwar, indem WIR erwachsenen Frauen anfangen unsere Körper als solche anzunehmen, wie sie sind. Unsere Körper schätzen und verstehen lernen.

 

Wenn wir ein GESPÜR für unsere Körper entwickeln. Wenn wir verstehen, dass wir nicht gleich aussehen müssen. Wenn wir unsere Körper lieben lernen und sie LIEBEVOLL ansehen und behandeln.

 

Fangen wir an, unsere Körper kennen zu lernen. Sie anzusehen ohne zu urteilen. Sie zu fühlen. Ihnen das geben, was sie brauchen: GUTE Nahrung, Bewegung, Ruhe, Berührung, Achtsamkeit.

 

Denn wenn wir erwachsenen Frauen gut für uns und unsere Körper sorgen, machen Fernsehformate der Magerklasse keinem mehr etwas aus. Vielleicht würden sie sogar von der Bildfläche im wörtlichsten Sinne verschwinden.

 

 

In diesem Sinne bis bald

 

Claudia

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Kommentare: 3
  • #1

    Mathilda (Mittwoch, 21 Mai 2014 23:55)

    Hallo Claudia!
    Ein wichtiges Thema, das du hier ansprichst. Was bei mir Veränderung gebracht hat: Ich habe vor knapp 3 Jahren nach einer starken Erfahrung der (Selbst-)Annahme die bewusste Entscheidung getroffen, nicht mehr schlecht über meinen Körper zu sprechen. Mittlerweile ist mir diese annehmende Haltung geradezu in Fleisch und Blut

  • #2

    Mathilda (Mittwoch, 21 Mai 2014 23:57)

    übergegangen und ich vor allem in der ersten Zeit war es sehr befreiend. Wenn ich mich in meinem Körper nun doch einmal unwohl fühle, spüre ich in mich hinein und warte erst mal ab, woher es kommt. Liebe Grüße! Mathilda

  • #3

    Claudia Huber (Donnerstag, 22 Mai 2014 16:41)

    Hallo Mathilda,

    das ist eine sehr schöne Anregung! Danke dafür!

    Herzlichst, Claudia