So trainierst du deine Sinne

Wie ich bereits in einem anderen Artikel geschrieben habe, ist das Wahrnehmen mit unseren ganzen Sinnen essentiell für das Eintauchen in und Genießen des Liebesspiels. Natürlich ist es auch wichtig für viele andere Situationen in unserem Leben, von daher lohnt es sich die eigenen Sinneswahrnehmungen zu schulen und zu üben.

Wie trainiere ich meine Sinne?

Suche dir einen Sinn aus, der dir leicht fällt und beginne mit diesem. Danach kannst du einen Sinn nach dem anderen durchgehen.

 

Nimm dir Zeit dafür und sei so detailliert wie nur irgend möglich. Je intensiver und häufiger du die Übung machst, desto schneller werden sich deine Sinne wieder auf ihren Gebauch einstellen.

 

Gehe folgendermaßen vor:

 

1. Nimm dir einen Apfel oder eine sonstige Frucht, die du gerne magst (wenn du gar keine magst, dann nimm etwas anderes, das dir schmeckt; ich bleibe beim Beispiel Apfel).

 

2. Lege den Apfel nun gut beobachtbar auf den Tisch. Sieh ihn dir genau an. Welche Farbe hat er? Welche Form? Ist er gleichmäßig? Wie ist seine Schale beschaffen? Hat er am Stiel ein Blatt? Ist der Stiel schon weg? Wie sieht der Blütenstempel ("unten" am Apfel) aus? Verweile in der Beobachtung und beschreibe den Apfel in deinem Kopf so detailliert wie möglich. Und wenn du denkst, du hast alles gesehen, schau noch einmal genauer hin.

 

Für die nächsten Schritte schließe deine Augen:

 

3. Nimm den Apfel nun in die Hand. Wie fühlt er sich in deiner Hand an? Entdeckst du Unebenheiten? Fahre ihn mit den Fingern ab. Nimm ihn in beide Hände. Passt er hinein? Berühre ihn mit den Fingerspitzen. Lege ihn an deine Wange und fühle, wie er sich dort anspürt. Berühre ihn mit deinen Lippen. Wie fühlt er sich da an? Gibt es eine Stelle, die sich ganz anders anfühlt? Ist er glatt? Oder eher porig? Wie sind die Unterschiede zwischen Hand, Finger, Wange und Lippe?

 

4. Nun führ den Apfel zu deiner Nase und rieche an ihm. Riechst du den Apfel? Riechst er süßlich, säuerlich, fruchtig? Riecht er nach Wachs? Riecht er gar nicht? Reibe den Apfel an einer Stelle, sodass er warm wird. Wie riecht er jetzt? Ist der Geruch am Stiel oder am Stempel anders?

 

5. Höre nun, wie sich der Apfel in deiner Hand anhört. Klopfe sachte auf ihn drauf. Welches Gräusch ertönt? Klopfe ihn überall ab. Stellst du unterschiede fest?

Beiße in den Apfel, wie hört sich dieses Geräusch an? Wie hört es sich an, wenn du das Apfelstück kaust?

 

6. Lecke an der Schale des Apfels. Nimmst du einen Geschmack wahr? Wenn ja, wie ist er? Beschreibe ihn für dich. Wie schmeckt das Fruchtfleisch? Ist es süß, sauer, fruchtig?

 

Wenn du jetzt noch nicht genug hast, kannst du nachfühlen, wie sich der Apfel in deinem Mund anfühlt. Als Stück, gekaut. Beobachte, ob sich der Geschmack während des Kauens verändert. Riechst du den Apfel jetzt intensiver?

 

Diese Übung kannst du mit allem wiederholen, was du isst. Du kannst es auch mit Gegenständen machen, die nicht giftig sind. Oder wandle die Übung ab, wenn es nichts essbares ist. Spüre die Fläche, auf der du sitzt, fühle das Bett, auf dem du liegst. Rieche an Gegenständen, Essen und Trinken.

 

Je mehr du deine Umwelt mit allen Sinnen wahrnimmst, desto präsenter bist du im Augenblick. Sei neugierig und erfinderisch.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Bis bald,

Claudia

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